Donnerstag, 27. September 2018

Alt sein und Neues anfangen ist überhaupt kein Widerspruch.

"Wenn das so weitergeht mit meiner Gesundheit, dann kann es sein, dass ich noch viele Jahre Leben vor mir habe".... so oder so ähnlich dachte ich gestern Abend kurz vorm Einschlafen.
Ich fühle mich gesund. Ob ich aber tatsächlich gesund bin, das will ich demnächst mal checken lassen. Mich interessiert sehr, ob es einen Unterschied zwischen meinem subjektiven Gefühl und den Daten gibt, die bei einem Gesundheitscheck herauskommen.
Ich weiß natürlich, welche Stellen in meinem Körper kaputt sind und wo es nicht mehr rund läuft. Aber ich habe Glück, denn es tut nicht weh. Hätte ich Schmerzen, würde ich mich nicht gesund fühlen, weil Schmerzen uns darin erinnern, dass etwas im Körper nicht stimmt.
Jetzt weiß ich natürlich, dass man krank sein kann, und trotzdem tut nichts weh. Ich finde es spannend zu erfahren, ob die Abwesenheit von körperlichen Schmerzen mich womöglich hinters Licht führt. Ich hoffe nicht.
Jedenfalls beziehe ich mich im Moment auf das, was ist - und das ist das Gefühl, gesund zu sein. Und alt natürlich. Alt und gesund mit einer Lebenserwartung, die noch 20 oder mehr Jahre Leben bedeuten kann -  eine Herausforderung an meine Generation, die es so noch nicht gegeben hat. Ich  kann also nicht so tun, als wäre es bald vorbei. Ich kann auch nicht so tun, als würde es sich nicht mehr lohnen, etwas Neues anzufangen oder dazuzulernen. Für mich ist Neues anfangen und alt sein überhaupt kein Widerspruch.
Leben ist Veränderung, und nicht nur wenn wir jung sind, sondern auch im Alter. Und Veränderung ist Entwicklung. Die Frage ist natürlich, in welche Richtung will ich mich entwickeln? Was ist mir wichtig? Was liegt mir am Herzen? Wie stelle ich mir meine Zukunft vor?
Mit über 70 die Zukunft zu bedenken, das bedeutet, dass ich bereit sein muss, meinen eigenen Tod mitzudenken. Wäre ich nicht bereit dazu, würde ich Zukunftsgedanken vermeiden. Meine Zukunft wird mehr als je zuvor in meinem Leben von der Möglichkeit begleitet, jederzeit sterben zu können. Daher denke ich meine Wünsche, Träume und Pläne immer im Zusammenhang mit meinem möglichen Verschwinden.
Mal ehrlich: nur weil der Tod immer näher kommt, kann ich doch nicht aufhören zu wünschen, zu sehnen, zu träumen und zu planen. Ich kann doch nicht aufhören zu leben solange ich lebendig bin.

Freitag, 21. September 2018

Im Alter sind wir mehr anders als früher, als wir jung waren.

In keiner Lebensphase sind die individuellen Unterschiede innerhalb derselben Generation so groß wie im Alter. So sagen es die Untersuchungen. Ich habe mich schon oft gefragt, woran das liegt.
Ich vermute, es hat nicht nur etwas damit zu tun, dass wir im Laufe unserer langen Leben Entscheidungen getroffen haben, die sich mit den Jahren immer konsequenter auswirken, sondern auch damit, dass wir im Alter, also nach dem Erwerbsleben, in unsere Privatleben verschwinden und uns als Generation  aus den Augen verlieren. Solange, bis wir uns in den Altenheimen wiedertreffen. 
Interessant ist, dass viele Alte auch deshalb nicht in ein Altenheim wollen, weil sie sagen: "Da sind ja nur alte Leute." Das heißt, wir haben die Tendenz, uns mit zunehmendem Alter von unserer eigenen Generation abzukoppeln und uns nach unten zu orientieren, also hin zu der nachkommenden Generation, und gemeinsam mit denen auf "die Alten" zu schauen. 

In letzter Zeit habe ich viel mit Freunden und Freundinnen zu tun, die mehr oder weniger so alt sind wie ich, und voll und ganz in ihren Privatleben aufgehen: Reisen, Kochen, Enkelkinder, Oper, Theater, Freunde, Essen, Trinken und wieder von vorn. Je nach finanziellen Möglichkeiten und gesundheitlichem Zustand. Manche machen auch hier und da etwas Ehrenamtliches. Aber sonst sind sie raus aus allen gesellschaftlichen Angelegenheiten. Außer dass sie eine Meinung haben, die sie jedoch nur noch im Privaten äußern, also dort, wo ihr Leben stattfindet.
Ich muss gestehen, dass es mich irritiert, wenn ich erlebe, wie sie ihre ganzen Kompetenzen, ihre ganze berufliche Erfahrung, ihr Wissen und Können, auch ihre gesellschaftlichen Rollenerfahrungen hinter sich lassen und nur noch privatisieren. Wo ist das alles hin, was sie drauf haben? Was ist mit ihrer Beziehung zur Welt? Ich bin auch irritiert, wenn ich sehe, wie zufrieden manche sind und wie glücklich mit dem, was sie tun beziehungsweise mit dem, was sie eben nicht mehr tun. 

Vielleicht ist meine Irritation auch nur darauf zurückzuführen, dass ich nicht den typischen Lebensweg gegangen bin: Arbeiten bis 65 und dann in den Ruhestand, sondern schon viel früher in den Ruhestand geschickt wurde und also noch jung war, als ich mit einer Lebenssituation konfrontiert war, die eigentlich erst fürs Alter vorgesehen ist.

Samstag, 8. September 2018

"Alters Framing"

Ich lerne gerade beim Lesen des Buches "Politisches Framing" das Framing kennen. Besser gesagt: Framing als Phänomen kannte ich schon lange, nur hatte ich den passenden Begriff dafür nicht. Framing findet ja nicht nur im Politischen statt, sondern in allen Themen, die wir bedenken, ob sie uns bewusst sind oder nicht.
Als ich vor 12 Jahren begann, zum Thema Alter zu bloggen, war eines meiner Anliegen, meinen Teil dazu beizutragen, dass alles, was mit den Begriffen "Alter" und "alt" in unseren Köpfen abgespeichert ist, zu hinterfragen und neue Deutungen anzubieten. Als ich damals schrieb, dass ich meine, wir müssten Altern neu denken, habe ich gemeint, wir sollten unser Alters Framing überprüfen und anpassen. Eigentlich mache ich seit 12 Jahren mit diesem Blog nichts anderes, als auf das kollektive Alters Framing hinzuweisen und neue Deutungen anzubieten.

Freitag, 7. September 2018

"Politisches Framing"

Dies ist der Titel des Buches, das ich gerade lese, und das mich schon nach den ersten 30 Seiten begeistert. Von Elisabeth Wehlig geschrieben und bei edition-medienpraxis erschienen.

Die Autorin beschreibt, wie Worte Wirkung darauf haben, wie wir die Welt wahrnehmen, wie wir uns sozial verhalten, wie wir uns bewegen. Sie beschreibt in einfacher Sprache, was bei wissenschaftlichen Untersuchungen herausgefunden wurde und beim Lesen wird sofort klar, dass das alles übertragbar ist auf das eigene Leben. Das Buch zeigt, wie wichtig Sprache ist und wie sie funktioniert. Ich bin erst am Anfang und werde in einigen Tagen mehr über meine Lese-Erfahrung berichten.


Donnerstag, 16. August 2018

Ab ins Wohnprojekt!

Ab ins Wohnprojekt! Wohnträume werden Wirklichkeit. Das ist der Titel des Buches, für das der oekom verlag eine Crowdfunding Aktion initiiert hat, die jetzt online ist. 
Nur wenn diese Aktion erfolgreich ist, wird der Verlag das Buch produzieren.
Was mich als Autorin angeht, so habe ich meinen Teil der Produktion fast abgeschlossen. Ich habe 19 Interviews für das Buch gemacht, und jetzt schreibe ich noch an einigen Texten, die unter der Überschrift Reflexionen stehen werden. 
Je mehr Leute von der Funding Aktion erfahren, umso größer ist die Chance, dass sie erfolgreich sein wird, und daher wäre es wunderbar, wenn der Link zur Fundingseite weitergeleitet würde.
  


Freitag, 3. August 2018

Endlich

Ich hatte ja schon erzählt, dass ich an einem Buch über gemeinschaftliche Wohnprojekte arbeite und deshalb in letzter Zeit so wenig poste. Ich bin einfach viel am Computer und muss mich konzentrieren, und wenn ich dann mal eine Pause habe, lasse ich das Notebook lieber zu.
Das Buchprojekt kommt jetzt in eine spannende Phase, denn am 8.8. geht die Crowdfunding Aktion los. Der Verlag hat eine Webseite eingerichtet, auf der das Buch vorgestellt wird und wo jede/r die Möglichkeit hat, die Buchproduktion zu unterstützen. Wenn es soweit ist, werde ich hier natürlich den Link zu dieser FundingSeite posten.
Ich erlebe das alles ja zum ersten Mal, und kann nur sagen, dass es großen Spaß macht, wiedermal etwas zu machen, was ich noch nie vorher gemacht habe. Es ist toll, Teil eines Vorhabens zu sein, an dem ich beteiligt bin, an dem aber auch viele andere beteiligt sind. Und nur so kann dieses Vorhaben erfolgreich sein, indem alle ihren Teil dazu beitragen. Eine wunderbare Erfahrung.