Dienstag, 3. Juli 2018

"Pink & Silver Age"

Im Zusammenhang mit meiner Arbeit am Buch über Gemeinschaftliche Wohnprojekte lese ich derzeit das kommunebuch. utopie. gemeinsam. leben. Es ist 2014 bei Assoziation A erschienen.
Im Buch gibt es ein Kapitel über Altwerden: Pink & Silver Age - wie können wir in Kommunen altern?
Die Texte dieses Kapitels sind Berichte, zum Teil als Briefe geschrieben, in denen über das eigene Altwerden in der Kommune erzählt wird. Ich habe diesen Teil des Buches eben gelesen und bin begeistert. Da berichten Leute, die in jungen Jahren die Entscheidung getroffen haben, in Gemeinschaften zu leben und Utopien zu verwirklichen. Und jetzt sind sie alt geworden. So wie die, die ein ganz normales bürgerliches Leben gelebt haben. Und natürlich sind sie anders alt als diejenigen, die nicht dieselben Lebenserfahrungen haben machen können. Das wird beim Lesen der Briefe deutlich. Die Altersbeschwerden an sich machen aber nicht den Unterschied aus, sondern die  Denkansätze, die Fragen und die Aussagen dazu.
"Ich will gar nicht mehr alle Entscheidungen mit beeinflussen und eigentlich auch nicht immer zum Plenum gehen. Ich brauche mehr Ruhe und einen entsprechenden Platz dafür!"
"Und ich will die ständigen Gespräche um die immer gleichen Themen mit immer neuen Leuten nicht mehr führen."
"Ich will mich nicht mehr um Kindererziehung kümmern und habe auch keine Lust, mich mit den Kindern ständig auseinanderzusetzen. Dennoch will ich nicht auf sie verzichten."
"Ich habe eine andere Aufgabe in der Kommune: nicht mehr die anstoßende und vorwärtsgehende, sondern layed back, besinnend und besichtigend."
"Ich will auch nicht mehr alle Erfahrungen, die ich in meiner Kommune leidend durchlebt habe, zum wiederholten Male bei anderen erleben."



Mittwoch, 27. Juni 2018

Haltung. Haltung. Haltung.

Aber was ist mit Haltung gemeint? Da ist erstmal die Körperhaltung, die gemeint sein kann. Um die soll es hier aber nicht gehen. Hier geht es um Geisteshaltung. Um Einstellung. Um den Hintergrund, auf dem unser Denken sich entwickelt und unser Verhalten und unser Handeln. Und möglicherweise auch unser Fühlen. Aber da bin ich mir grad nicht sicher, ob Fühlen mit Haltung, mit Geisteshaltung, zu tun hat, oder ob es unabhängig davon geschieht und nur die Interpretation unseres Fühlens von der Haltung bestimmt wird.
Wie kommt Haltung eigentlich zustande? Ich würde sagen, Haltung hat etwas mit Bewusstheit zu tun. Und auch mit der Bereitschaft, Verantwortung für sich und das eigene Denken, Fühlen, Reden und Handeln zu übernehmen. Die Frage ist: wie soll man eine Haltung entwickeln, wenn das eigene Denk-Erlebnis suggeriert, Gedanken kämen einfach so in einem auf und man müsse nehmen, was kommt, weil Gedanken einfach das spiegeln, was ist und was stattfindet. Wer sich sozusagen als Opfer des eigenen Denkens erlebt, dessen Haltung ist eben eine Opfer-Haltung. Und wer sich mit dem Altern schwertut, dessen oder deren Haltung ist auch oft die Haltung, Opfer der Gegebenheiten zu sein.
Altwerden findet ja gegen unseren Willen statt. Würden wir gefragt, würden wir uns gegen Altwerden aber für ein langes Leben entscheiden. Selbst die, die sagen würden, okay, ich bin einverstanden, irgendwann zu sterben, würden sagen, dass sie sterben möchten ohne alt werden zu müssen, wobei sie aber lange leben wollen.
Ich will auch lange leben. Ich nehme Altwerden in Kauf, weil ich es nicht ändern kann. Und was ich nicht ändern kann, damit finde ich mich ab und mache das beste draus. Wie mit dem Wetter. Ich passe mich an. Ich nehme einen Schirm mit oder ziehe Sandalen an, je nach dem. So mache ich das auch mit dem Alter. Diese Einstellung ist Teil meiner Lebens-Haltung.

Donnerstag, 7. Juni 2018

Vielfalt ist DIE Herausforderung

Überall wo Menschen zusammenkommen geht es um Vielfalt. Das ist nicht neu. Der Unterschied zu früher ist aber, dass Vielfalt mittlerweile als Wert an sich erkannt wird und sich damit die Herausforderung geändert hat.
Früher war die Herausforderung eher, Vielfalt "in den Griff" zu bekommen und Unterschiede und Verschiedenheiten einzuebnen. Der Ruf nach Kompromissen ist immer noch allgegenwärtig. Ohne Kompromisse gehe es nicht, sagen die meisten, die mit Vielfalt zu tun haben.
Ich glaube nicht an das Konzept der Kompromisse, und, um es gleich zu sagen, ich glaube auch nicht an das Konzept der Mehrheitsbeschlüsse. Ich empfinde beide Konzepte als überholt.
Ich glaube an das Potential von Möglichkeiten und an die Entfaltung aller, die beteiligt sind. Ich glaube an Miteinander, das auf Zuhören beruht anstatt auf Überzeugen wollen.
Früher wurde Vielfalt als Hindernis betrachtet, das es zu überwinden gilt. Im modernen systemischen Denken ist Vielfalt eine Ressource, die willkommen geheißen und gepflegt wird. Heute besteht die Herausforderung darin, das Chaos auszuhalten, das mit lebendiger Vielfalt einhergeht. Übrigens: Wer an Kontrolle glaubt und vielleicht selbst ein Kontrollfreak ist, dem sträuben sich die Haare bei diesem modernen Konzept von Miteinander. Und das ist nachvollziehbar, denn Kontrolle um der Überprüfung willen, ob alles "richtig" gemacht wurde,  macht beim systemischen Denken von Vielfalt keinen Sinn mehr. Systemische Vielfalt reguliert sich selbst, indem alles immer und jederzeit von allen überprüft und nachjustiert wird. Dabei geht es nie um richtig und falsch, sondern um Orientierung und Anpassung.
Was das jetzt mit Altern zu tun hat? Altwerden systemisch zu denken ist eben auch anders als früher, als Altwerden statisch gedacht wurde. Es gibt keine Lebensphase, in der die individuellen Unterschiede so vielfältig sind wie im Alter. Also tun wir Alten gut daran, uns mit Vielfalt zu beschäftigen, wenn wir den Kontakt zu unseren Alterskohorten pflegen und gestalten wollen.

Dienstag, 5. Juni 2018

GenerationenVielfalt

Ich habe es schon häufiger erlebt und immer gedacht, es sei Zufall und ich könne es nicht verallgemeinern. Mittlerweile aber tendiere ich dazu, dass es keineswegs Zufall ist, wenn ich die Zusammenarbeit mit jungen Frauen und Männern als besonders gelingend erlebe. Ich meine richtig junge Leute, nicht jüngere.
Wenn man über 70 ist, sind ja fast alle jünger als man selbst, und erst recht, wenn es um Arbeitszusammenhänge geht. Erstaunlich ist, dass ich die Zusammenarbeit mit Leuten aus der Generation unserer Kinder, die so um die 50 sind, als nicht so interessant erlebe wie mit denjenigen, die nochmal eine Generation jünger sind, also quasi die Generation unserer Enkel.
Ich schreibe das hier, weil andere Alte mir diese Erfahrung bestätigen und berichten, dass sie es genauso erleben. Ich rede hier von Arbeitszusammenhängen, nicht von privaten Bezügen. Privat sind wir Alten immer die Alten und bekommen meist eine Rolle zugeschrieben, die sich aus dem jeweiligen individuellen Familiensystem entwickelt. Einem komplexen System, an dem wir natürlich mitgewirkt haben, so oder so oder so.
Sobald es aber um Arbeitsbezüge geht, sind wir frei und können als alter Mensch Teil eines neuen, anderen und temporären Systems werden, in dem vor allem jüngere Menschen sind, und eben auch ganz junge. Und die meine ich. Ich erlebe es so, dass die ganz jungen irgendwie freier mir gegenüber sind, frischer, neugieriger als diejenigen die nur eine Generation jünger sind. Neugieriger auf meine Perspektive und meine Erfahrung.
Für mich überraschend war, dass die um die 50Jährigen sich selbst oft als die Alten in Bezug auf die Jungen erleben. Und was dann passiert, hat mich total überrascht: sie vermischen sich generationell mit mir und denken die 15 oder 20 Jahre Altersunterschied einfach weg. Sie meinen, wir säßen altersmäßig im selben Boot.
Ein fataler Irrtum, wie ich finde. Die Unterschiede sind groß. Meines Erachtens würde eine neue und bewusste Alterskultur uns allen dabei helfen, die Unterschiede wahrzunehmen und so damit umzugehen, dass alle davon profitieren. Einfach nur über 50 zu sein heißt nicht automatisch zur Altersgruppe der Älteren zu gehören. Seit einigen Jahren denke ich mein Leben vom Ende her, und das macht einen großen Unterschied zu früher, als ich mein Ende noch nicht mitdachte, einfach weil es noch weit entfernt schien. Mit 50 ist das okay, aber mit 70 wäre es aus meiner Sicht nicht hilfreich.  Es sei denn man glaubt, Verdrängung sei ein guter Weg. Ich glaube das nicht.

Samstag, 2. Juni 2018

Joachim Klöckner

Gestern Abend in der NDR Talkshow. Joachim Klöckner ist einer der Gäste und erzählt von seinem NomadenLeben als Minimalist. Ich habe 2014 ein Interview mit ihm gemacht. Viel Spaß beim Lesen.


Dienstag, 29. Mai 2018

Mittwoch, 23. Mai 2018

Geisteshaltung

Ich weiß nicht mehr, wann mir bewusst wurde, dass ich eine Geisteshaltung habe. Ich erinnere mich noch, dass irgendwann mal jemand einen Kommentar über mich gemacht hat und meinte, ich hätte "Haltung" gezeigt. Ich war verwundert, denn diesen Begriff hatte ich bis dato noch nicht auf mich bezogen.
"Haltung" heißt ja, für etwas gerade stehen. Bei Wikipedia steht unter dem Begriff Haltung unter anderem:
  • Gesinnung, die auf ein Ziel gerichtete Grundhaltung eines Menschen
  • Haltung bewahren bzw. Contenance, die Gelassenheit in schwierigen Situationen
  • Haltung bzw. Einstellung, die persönliche Meinung zu einer Angelegenheit; thematisiert von alters her in der Philosophie, aber auch in der Soziologie und Psychologie. Zu letzterer siehe speziell auch Einstellung (Psychologie).

Mir gefällt der Begriff Geisteshaltung. Aber bei Wikipedia steht nichts dazu. Das überrascht mich. Dort wird Geisteshaltung mit Mentalität gleichgesetzt. 
Ich klicke weiter und finde bei Yogawiki unter anderem folgendes: 
"Geisteshaltung‏‎ ist die Haltung deines Geistes. Deine Geisteshaltung hat einen starken Einfluss, wie du Dinge siehst, wie du zu Menschen stehst. Wenn du eine Geisteshaltung der Akzeptanz und der Offenheit hast und der Lernbereitschaft, dann wirst du im Leben viel Gutes erfahren, viel Sinnvolles sehen und weniger verzweifelt sein.
Wenn du eine skeptische Geisteshaltung hast, dann wird das dich prägen. Wenn du eine Geisteshaltung des Beurteilensund Verurteilens hast, wirst du immer wieder mit Menschen in Konflikte geraten. Wenn du die Geisteshaltung hast, alle bekehren zu wollen, dann wirst du auf Widerstände stoßen. Wenn du aber die Geisteshaltung im Verhältnis zu anderen hast von LiebeMitgefühlRespekt und auch Demut, dann werden deine Beziehungen mit anderen Menschen zufriedenstellendsein, voller Liebe und auch voller Freude.

Samstag, 12. Mai 2018

Marina Abramovic

Gestern war ich in der Ausstellung The Cleaner in der Bundeskunsthalle in Bonn.
Meine Freundin Michaela hatte mich eingeladen, als Geburtstagsgeschenk. Marina Abramovic ist übrigens im selben Jahr geboren wie ich, 1946. 
Es ist beeindruckend, was Abramovic bisher geschaffen hat. Berührend beeindruckend. Auch weil alle Sinne angesprochen werden. Vor allem aber berührt mich ich ihre Radikalität. Ihr Mut. Ihre große Fähigkeit zur Transparenz.
Ich fand auch die Art der Ausstellung gelungen, wie auf relativ wenig Raum die vielfältigen Werke zugänglich und nachvollziehbar gemacht werden. Alles stimmt an dieser Ausstellung. Ein tolles Geburtstagsgeschenk. Danke, Michaela :)


Marina Abramovic. Ein Video, das ich im Museum abgefilmt habe. Ich hatte den Museumswärter gefragt, ob ich filmen darf, und er wies mich darauf hin, dass 10 Sekunden Filmen erlaubt sei, dass er aber weggucken würde... Ich habe dann 8 Sekunden gefilmt und ein Gif erstellt.