Montag, 16. November 2015

Irgendwie verschlägt es mir die Sprache.

Ich würde gern mehr über meine Erlebnisse mit den Menschen schreiben, die ich im Asylcafé kennen gelernt habe und mit denen ich hin und wieder ins Café gehe, mit denen ich Deutschunterricht mache, die durch meine Initiative eine Theaterpädagogin kennen gelernt haben und jetzt zusammen mit deren Ensemble ein Mal die Woche proben, denen ich Fahrräder über Facebook organisiert habe, und die ich letztens zu mir nachhause eingeladen habe, was bedeutet, sie am Camp abzuholen und nach einigen Stunden wieder dorthin zurück zu bringen.
Und immer wenn ich erzählen will, und besonders wenn ich schreibend erzählen will, was ich gerade erlebt habe, verschlägt es mir die Sprache.
Ich frage mich, was das ist, dass mir die Worte sozusagen auf halber Strecke stecken bleiben.
Vielleicht sollte ich mich aufs bloße Berichten beschränken. Sozusagen Moment für Moment darstellen, ohne jede Art von Interpretation. Ich sollte es versuchen... vielleicht.
Im Moment ist es noch so: Sobald ich auch nur den kleinsten Funken an Interpretation oder Bewertung in den Text, der sich in mir formuliert, reinbringe, spüre ich ein großes Unbehagen. Warum das so ist, weiß ich noch nicht zu sagen. Ich spüre einfach, dass jegliche Art von Interpretation das Erlebte zunichte macht. Vielleicht liegt das daran, dass mein Repertoire an Mustern, auf denen meine Interpretationen beruhen, für meine frischen Erlebnisse mit den Flüchtlingen nichts bereithält. Gar nichts. Ich kann auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen, und das obwohl ich fast siebzig bin. Das Erleben mit ihnen ist einfach zu neu. Und zu anders.
Ich kann es zwar leben, aber nicht, oder noch nicht, so formulieren, dass ich wirklich das ausdrücke, was ich sagen will.

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