Donnerstag, 3. Dezember 2015

Der öffentliche Diskurs

Alle gesellschaftlich relevanten Themen haben einen öffentlichen Diskurs, das heißt, sie werden öffentlich besprochen, in den verschiedenen Medien, am Stammtisch, unter Kollegen, in den Familien, unter Freunden. Derzeit beschäftigt uns alle das Thema Flüchtlinge.
Ich erlebe dabei, welch einen Unterschied es macht, ob ich mit Leuten rede, die mit Flüchtlingen Kontakt haben oder mit Leuten, die bisher noch keinen Flüchtling persönlich kennen gelernt haben.
Mir fällt auf, dass es unter denen, die bisher noch keinen persönlichen Kontakt haben, so etwas wie eine Radikalisierung der Meinungen gibt. Irgendwie scheint der Moment gekommen zu sein, wo sie sich trauen, das zu äußern, was sie wirklich denken, und das sind Gedanken, in denen die sogenannte Willkommenskultur häufig mit Argumenten niedergemacht wird.
Es ist, als ob das Land einige Monate im Rausch der "Wir-schaffen-das- Euphorie" war und dabei zigtausend Menschen dem Impuls nachgegangen sind, sich den Flüchtlingen zu nähern und ihre Hilfe anzubieten. Viele aber hatten entweder gar keinen Impuls, hinzugehen und ihre Hilfe anzubieten, oder sie sind ihm nicht nachgegangen. Viele konnten nicht, und viele wollten nicht. Und Gottseidank leben wir in einer freien Gesellschaft, in der jeder und jede frei entscheiden kann, was sie tut und was nicht.
Ich habe diese Freiheit genutzt und bin hingegangen. Es ist nicht viel, was ich tue, und ich tue es nur dann, wenn ich will, aber ich fühle mich sehr gut damit. Ich mache Erfahrungen, die ich mir niemals hätte ausdenken können. Positive und auch negative. Jedenfalls habe ich meine Komfortzone verlassen und bin froh darüber.
Wer keinen Kontakt mit Flüchtlingen hat, kann keine neuen Erfahrungen machen, weder positive noch negative. Aber alle machen sich Meinungen, auch und vor allem die, die nicht aktiv sind und nicht helfen und keinen Kontakt haben. Und diese Meinungen werden immer negativer und drängen gerade mit überwältigender Macht in den öffentlichen Diskurs.
Ich denke in den letzten Tagen viel darüber nach, wie ich mit der negativen Meinung der Meinungsmenschen und ihren Argumenten umgehen kann und will. Ich habe derzeit noch keinen für mich akzeptablen Weg gefunden.

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