Freitag, 17. Februar 2017

Vom Sich-jung-fühlen

"Ich fühle mich noch jung." Ein beliebter Satz von alten Menschen. Für viele ist es wichtig, jünger zu sein, als sie laut Geburtsdatum sind. Warum ist das so?
Und was ist so schlimm daran, alt zu sein?
Wahrscheinlich finden einige diese Frage naiv oder blöd oder doof, weil sie denken, dass es doch ganz offensichtlich sei, das Alter nichts Gutes sein kann und dass jung einfach viel besser ist.
Aber warum soll jung besser sein als alt?
Und warum soll ich mich jung fühlen, wenn ich alt bin?
Wir Alten waren doch alle mal jung. Wir müssten doch wissen, wie kompliziert das Leben oft war als wir jung waren. Wie wenig wir vom Leben wussten, von uns selbst und von anderen? Klar, unser Körper... die Haut war straff und glatt, die Haare voll, die Körperkraft top, wir konnten rennen und hüpfen und ... wir Frauen konnten Kinder kriegen... wir konnten anziehend sein...
Das alles ist im Alter weg. Und zwar für immer. Und das kann Wehmut erzeugen.
Aber da wir noch leben und da wir noch atmen und da unser Herz noch schlägt, wäre doch zu fragen: was geht ab im Alter? Was macht Freude? Wie kriegen wir ein gutes Leben hin? Was ist interessant? Mit wem tue ich mich zusammen? Und wozu?
Ich glaube, dass die wichtigste Frage die nach dem WOZU ist. "Wozu" fragt nach Sinn und nach einem Ziel und einer Ausrichtung. Nach Zukunft.
Wenn man zukunftsgerichtet lebt, ist es egal, ob man alt oder jung ist, denn dann hat man zu tun. Und wenn man zu tun hat, ist man beschäftigt. Und wenn man beschäftigt ist, ist man fokussiert. Und wenn man fokussiert ist, ist man mit etwas verbunden, mit anderen Menschen oder mit einer Handlung oder mit einem Thema. Und wenn man tut, was man kann, dann lotet man seine Grenzen aus. Und nichts macht so glücklich und zufrieden, wie bis an die eigenen Grenzen zu gehen. Egal wie alt man ist und wie alt oder jung man sich fühlt.

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