Sonntag, 5. März 2017

Wie beziehen wir uns als alte Menschen auf die Welt?

Diese Frage taucht immer wieder auf in meinem Nachdenken über Altern und Alter.
Mittlerweile glaube ich, dass die Idee vom Schönen Altern und ausschließlichem Genießen und Nichtstun und Privatisieren in die Irre führt. Wenn ich mich umschaue, dann gehen diejenigen am häufigsten zum Arzt, deren Leben darin besteht, zu privatisieren, zu genießen und nichts zu tun, was Anstrengung erfordert. Wie wenn Alter eine einzige Belohnungsphase sei.
Okay. Das erste Jahr nach einem langen Erwerbsleben, oder auch das zweite und dritte Jahr nach der Verrentung oder Pensionierung, kann nötig sein, um aus dem Arbeitsstress überhaupt mal rauszukommen. Aber danach hat das Gehirn einfach vergessen, wieso es nichts mehr tun soll, nicht mehr herausgefordert werden soll und sich nicht mehr anstrengen soll. Es weiß demnach auch nicht mehr, wofür es belohnt werden soll. Und damit wird das Nichtstun und Es-sich-nur-noch-gut-gehen-lassen und das Genießen vom Gehirn als Herausforderung und Anstrengung und Arbeit gedeutet. Na und dann wird es schräg, weil die Relation Arbeit-Belohnung durcheinander gerät.
Und noch was:
Wenn der Bezug zur Welt nur noch daraus besteht, Meinungen zu entwickeln zu dem, was man im Radio hört, im Fernsehen oder online sieht und in den Zeitungen liest, dann entsteht mit der Zeit ein Ungleichgewicht zwischen der Welt und dem Einzelnen. Denn ohne lebendige Resonanz mit Fremden und Unbekannten kann es passieren, dass der oder die Einzelne vergisst, wie groß die Welt ist und wie verschieden die Meinungen sind. Und wie anders alles sein kann, als man selbst denkt.

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