Mittwoch, 26. April 2017

Vergangenheit... erinnern und vergessen

Je älter wir werden, umso mehr Vergangenheit haben wir.
Da stellt sich die Frage, wie wir mit unserer Vergangenheit umgehen. Welchen Stellenwert wir ihr in unserem gegenwärtigen Leben geben. Wie wir das, was war, deuten und interpretieren. Klar, Vergangenheit hat viele Facetten und besteht aus unzähligen Erinnerungen.
Was machen wir eigentlich mit unseren Erinnerungen? Denken wir, sie seien unsere Vergangenheit? Oder sind wir uns darüber im Klaren, dass Erinnerungen nur der Teil unserer Vergangenheit sind, den wir erinnern, also bewusst haben?
Ich würde sagen, Vergangenheit ist alles, was gewesen ist, ob wir es erinnern oder nicht.
Da Älterwerden also auch bedeutet, dass Vergangenheit immer mehr wird, könnten wir uns doch fragen, ob es einen Unterschied gibt in der Wirkung von Vergangenheit auf unser gegenwärtiges Leben, wenn wir den unbewussten Anteil und den bewussten, also den erinnerten, miteinander vergleichen.
Wie aber kann man etwas miteinander vergleichen, wenn nur der eine Teil bewusst ist?
Wie können wir Vergangenheit wahrnehmen, wenn wir sie nicht erinnern?
Da ist dann doch nichts, was wahrzunehmen wäre. Oder?
Aber: Das, was gewesen ist, verschwindet ja nicht einfach so im Nichts, nur weil wir uns nicht erinnern. Die Frage ist: wo ist der Teil meiner Vergangenheit, an den ich mich nicht erinnern kann? Und welchen Einfluss hat er auf mein Leben im Alter?
Und da taucht die nächste Frage auf: Will ich mich überhaupt an alles, was gewesen ist, erinnern? Oder bin ich froh, manches vergessen zu können?
Und die nächste Frage: Wer oder was entscheidet eigentlich, was ich vergesse und was nicht? Ich erinnere mich, einmal versucht zu haben, etwas vergessen zu wollen. Aber es hat nicht funktioniert. Es ist nach hinten losgegangen. Die Erinnerung an das, was ich vergessen wollte, ist sogar noch stärker als eine einfache Erinnerung.
Also: Wie geht vergessen?

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