Dienstag, 5. Juni 2018

GenerationenVielfalt

Ich habe es schon häufiger erlebt und immer gedacht, es sei Zufall und ich könne es nicht verallgemeinern. Mittlerweile aber tendiere ich dazu, dass es keineswegs Zufall ist, wenn ich die Zusammenarbeit mit jungen Frauen und Männern als besonders gelingend erlebe. Ich meine richtig junge Leute, nicht jüngere.
Wenn man über 70 ist, sind ja fast alle jünger als man selbst, und erst recht, wenn es um Arbeitszusammenhänge geht. Erstaunlich ist, dass ich die Zusammenarbeit mit Leuten aus der Generation unserer Kinder, die so um die 50 sind, als nicht so interessant erlebe wie mit denjenigen, die nochmal eine Generation jünger sind, also quasi die Generation unserer Enkel.
Ich schreibe das hier, weil andere Alte mir diese Erfahrung bestätigen und berichten, dass sie es genauso erleben. Ich rede hier von Arbeitszusammenhängen, nicht von privaten Bezügen. Privat sind wir Alten immer die Alten und bekommen meist eine Rolle zugeschrieben, die sich aus dem jeweiligen individuellen Familiensystem entwickelt. Einem komplexen System, an dem wir natürlich mitgewirkt haben, so oder so oder so.
Sobald es aber um Arbeitsbezüge geht, sind wir frei und können als alter Mensch Teil eines neuen, anderen und temporären Systems werden, in dem vor allem jüngere Menschen sind, und eben auch ganz junge. Und die meine ich. Ich erlebe es so, dass die ganz jungen irgendwie freier mir gegenüber sind, frischer, neugieriger als diejenigen die nur eine Generation jünger sind. Neugieriger auf meine Perspektive und meine Erfahrung.
Für mich überraschend war, dass die um die 50Jährigen sich selbst oft als die Alten in Bezug auf die Jungen erleben. Und was dann passiert, hat mich total überrascht: sie vermischen sich generationell mit mir und denken die 15 oder 20 Jahre Altersunterschied einfach weg. Sie meinen, wir säßen altersmäßig im selben Boot.
Ein fataler Irrtum, wie ich finde. Die Unterschiede sind groß. Meines Erachtens würde eine neue und bewusste Alterskultur uns allen dabei helfen, die Unterschiede wahrzunehmen und so damit umzugehen, dass alle davon profitieren. Einfach nur über 50 zu sein heißt nicht automatisch zur Altersgruppe der Älteren zu gehören. Seit einigen Jahren denke ich mein Leben vom Ende her, und das macht einen großen Unterschied zu früher, als ich mein Ende noch nicht mitdachte, einfach weil es noch weit entfernt schien. Mit 50 ist das okay, aber mit 70 wäre es aus meiner Sicht nicht hilfreich.  Es sei denn man glaubt, Verdrängung sei ein guter Weg. Ich glaube das nicht.

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