Sonntag, 22. Juli 2018

Vom Säen und vom Ernten.

Immer wieder begegne ich der Idee, erfüllendes Altern wäre Ernten. Sozusagen die Früchte dessen, was man gesät hat.
Das Konzept des Erntens im Alter hat mich für mich selbst nie überzeugt. Aber ich kann sehen, wie es für viele meiner Generation zu funktionieren scheint. Vor allem für diejenigen, die viel Lebenszeit aufgebracht haben mit etwas, wovon sie gedacht haben, das, was sie da machen, sei eine Investition in das, was später kommen wird.  Nach dem Motto: Jetzt Arbeit und später Rente. Jetzt auf viel Freiheit verzichten und später Freiheit pur. Sie haben sozusagen das Säen und das Ernten zeitlich voneinander getrennt.
Das habe ich nie. Besser gesagt, damit habe ich aufgehört, seit ich selbst über mein Leben bestimmen konnte. Ich wollte einfach immer sofort ernten. Natürlich war mir klar, dass Ernten nicht ohne Säen geht. Aber ich habe mir für das Säen immer einen Lebensinhalt gesucht, der mir schon beim Säen das Gefühl von Ernten verschafft hat. Für mich ist also Säen und Ernten nichts, was zeitlich auseinander fällt. Und demzufolge wird auch mein Lebensgefühl und mein Lebenskonzept jetzt im Alter nicht von der Idee des Erntens geleitet. Sondern vielmehr vom Konzept des Säens, dem das Gefühl des Erntens immanent ist. 

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