Montag, 4. März 2019

"Mutter du wohnst zu weit weg."

Dies ist der Titel einer Sendung, der Reihe 37 ° im ZDF.
Eine der drei Frauen, die gezeigt werden, fährt häufig 500 Kilometer, um die Mutter zu besuchen und Arbeiten für sie zu übernehmen, die die Mutter alleine nicht mehr hinbekommt.
Eine andere Tochter unterstützt ihre Mutter finanziell. Und die dritte nimmt wieder Kontakt zur alten und hilfebedürftigen Mutter auf, obwohl diese es ihr echt nicht leicht macht.
Hier gehts zum Film:

Mich hat der Film sehr bewegt. Er wurde aus der Perspektive der Töchter gedreht. Ich war natürlich mit den alten Müttern identifiziert, weil sie mir näher sind und ihre Situation mir automatisch vertrauter ist, obwohl ich selbst nicht in einer ähnlichen Situation, also weder krank noch arm bin.
Aber wer weiß, was noch alles kommt.
Die Töchter haben mich beeindruckt. Wahnsinn, was die leisten: Job und ihre Familien, Kinder und Männer, und dann noch das Kümmern um die Mutter. Und dann sind die Mütter manchmal störrisch und wollen nicht so wie die Tochter will.

In einer Szene erzählt die Tochter, dass sie sich Sorgen macht, weil ihre Mutter letztens, als sie bei ihr zu Besuch war, wieder nicht gewusst hat, wie die Kaffeemaschine zu bedienen ist.
Ich kenne die Situation vor einer fremden Kaffeemaschine im Haushalt der Kinder. Ein neuralgischer Punkt, an dem wir alten Mütter leicht versagen können. Es ist zum Verrücktwerden, wenn beim Besuch nach drei Monaten einfach vergessen hat, welcher Knopf für welche Funktion da ist.

Mutter du wohnst zu weit weg.


Freitag, 15. Februar 2019

"Alter ist eine Krankheit und kann behandelt werden."

Nir Barzilai heißt der Arzt, der in den USA ein Medikament testet, mit dem Alter behandelt werden soll. Darüber schreibt  Johann Grolle bei Spiegel Plus. Es war offensichtlich nicht schwierig, für diesen Test genügend Probanden zu finden:"Letztlich aber wollen sie alle nur das eine: mitmachen bei „TAME“. Das ist der Name einer medizinischen Studie, die schon deshalb als außergewöhnlich gilt, weil es solches Gedrängel unter möglichen Teilnehmern sonst nicht gibt: "Andere werben verzweifelt um Probanden, wir können uns vor ihnen kaum retten", sagt Barzilai."
Und weiter schreibt Grolle: "Barzilai will mit TAME Medizingeschichte schreiben. Spektakulär ist dabei nicht das Medikament, das er testen möchte. Im Gegenteil: Es handelt sich um eine im Prinzip schon seit Jahrhunderten bekannte Wirksubstanz. TAME unterscheidet sich von anderen Arzneimitteltests vielmehr durch die Indikation, die Barzilai behandeln will: das Alter."


Der Arzt hat viele alte Menschen untersucht, um herauszufinden, woran es liegt, dass sie besonders alt geworden sind. Ob sie besonders gesund gelebt haben, Sport getrieben und weder Alkohol getrunken noch geraucht haben. Aber nichts davon war der Fall, so dass Barzilai schlussfolgert, dass es nicht am Verhalten liegt, wenn ein Mensch besonders alt wird.Aber woran liegt es dann? Grolle schreibt: "Also, folgerte der Forscher, müssen es die Gene sein. Deshalb durchforstete Barzilai das Erbgut der betagten Probanden nach Veranlagungen für die großen Volkskrankheiten. Zählten seine Hundertjährigen vielleicht zu den wenigen Glücklichen, denen die Natur besonders wenige solcher Risikogene in die Wiege gelegt hat? Erneut lautete die Antwort: Nein. Barzilai fand bei ihnen all die berüchtigten Erbanlagen, die sonst mit Bluthochdruck, Krebs oder Alzheimer einhergehen – nur dass sie seinen Senioren offenbar nichts anzuhaben vermochten.
Für Barzilai gibt es daraus nur einen möglichen Schluss: "Diese Menschen haben nicht einen genetischen Schutz vor einzelnen Alterskrankheiten, sie sind vielmehr vor dem Alter selbst geschützt." Das Alter, meint der New Yorker Forscher, sei eine Krankheit – und zwar eine, die sich behandeln lässt. Eben das will er mit TAME beweisen."
 

Sonntag, 10. Februar 2019

Die andere Freundin, die viel jünger ist als ich.

Dass diese Freundin viel jünger ist, spielt meistens überhaupt keine Rolle. Wir kennen uns seit fast zwanzig Jahren und haben uns bei allen Lebensveränderungen begleitet, obwohl wir immer wieder auch in unterschiedlichen Ländern lebten. Dabei war es hilfreich, skypen zu können.
Seit ein paar Jahren leben wir nah beieinander. Wenn ich ins Autos steige, um sie zu besuchen, zeigt das Navi 44 Kilometer an. Das ist nichts im Vergleich zu den Jahren, in denen hunderte von Kilometern zwischen uns lagen. Aber ich wollte hier nicht von den geografischen Entfernungen zwischen meiner Freundin und mir sprechen, sondern vom Altersunterschied. Der ist groß. Ich könnte ihre Mutter sein. 
Die Freundschaftsenergie zwischen uns hat aber überhaupt nichts von Mutter und Tochter. Wir sind zwei Frauen, die sich mögen und schätzen und volles Vertrauen ineinander haben. Vor allem wissen wir um unsere Verschiedenheit, nicht nur was das Alter angeht und erleben es als bereichernd, anders als die andere zu sein. Ich bewundere meine Freundin dafür, wie sie ihr Leben hinkriegt und Herausforderungen annimmt und sich selbst treu bleibt. Ich respektiere sie in ihren Entscheidungen, auch dann, wenn ich anders entscheiden würde. Wir beraten uns, wenn die eine oder die andere etwas ändern will in ihrem Leben. Wir erzählen uns von Angelegenheiten, die uns geglückt sind und von denen, an denen wir gescheitert sind. Wir reden über andere Menschen, die wichtig für uns sind. Über Männer reden wir seit einigen Jahren wenig. Sie spielen derzeit keine große Rolle, weder in ihrem noch in meinem Leben. Das war früher anders. Vor allem in Zeiten, in denen ein neuer Mann in das eine oder andere Leben kam, oder wieder verschwand. 
Letztens aber kam unser Altersunterschied ins Spiel. Als nämlich meine Freundin anrief und erzählte, dass in ihrem Haus eine Wohnung frei wird und mich fragte, ob ich vielleicht Interesse hätte. Spontan und unmittelbar kam Freude in mir auf, denn mir gefällt das Haus, in dem meine Freundin wohnt, die Gegend gefällt mir auch, und in ihrer Nähe zu sein wäre auch toll. Ein Tapetenwechsel würde mir guttun, und so bin ich meinem schnellen Impuls gefolgt und habe nachgefragt: Wie groß ist die Wohnung? Was kostet sie? Wo liegt sie? Im wievielten Stock... ???? und da erst kam mir mein Alter ins Bewusstsein... und da brach meine schnelle positive Reaktion unmittelbar in sich zusammen... der zweite Stock... ohne Aufzug... das wäre Quatsch. 
Es war wie ein plötzliches Aufwachen aus einer Illusion, und ich hörte mich sagen, dass ich zu alt sei dafür, dass ich an meine Zukunft denken muss, dass ich nicht weiß, wie lange ich noch Treppen gehen kann, dass es mir jetzt schon schwer fällt wenn ich Einkäufe tragen muss, dass ich vernünftig sein möchte und andere Bedingungen brauche. Plötzlich war unser Altersunterschied riesig.  

Freitag, 8. Februar 2019

Bisher war es theoretisch.

Und jetzt wird das, wovon ich so oft gehört oder gelesen habe, wirklich.
Letztens traf ich mich mit einer alten Freundin. Innerhalb von einer Stunde hat sie Geschichten wiederholt, oder sie hat dieselbe Frage mehrmals gestellt ... mit derselben Energie, demselben Wortlaut, derselben Erwartung. Zunächst habe ich sie noch drauf hingewiesen, dass sie mir dasselbe eben schon erzählt hat. Aber als ich gesehen habe, wie sehr mein Hinweis sie verwirrt, habe ich bei der nächsten Wiederholung nichts gesagt. Aber ich wurde traurig und bedrückt. Später, auf dem Heimweg, allein im Auto, musste ich weinen.
Klar, Vergesslichkeit wird mit zunehmendem Alter mehr. Manchmal werden Geschichten öfter erzählt, und auch Fragen werden wiederholt. Was mich erstaunt: da gibt es offensichtlich einen Unterschied in der Art der Wiederholung, den ich so bisher noch nicht erlebt habe.
Wenn Wiederholungen haargenau gleich formuliert werden, sowohl was die Worte als auch was die Energie angeht, dann ist da offensichtlich etwas anderes am Werk als bloße Schusseligkeit oder Unaufmerksamkeit.
Schließlich ist ja Zeit vergangen zwischen der einen und der anderen Äußerung. Wir hatten ein Gespräch. Okay... ich habe weniger geredet als die Freundin. Beim Zuhören ihrer Wiederholungen hatte ich auch den Eindruck, als hätte gar kein Austausch stattgefunden. Es war wie ein Stempel, mit dem die Wiederholungen gesetzt wurden.

Donnerstag, 17. Januar 2019

Auszug aus dem Buch "Ran ans Alter!"

Ehrenamt ist ein altes Wort. 

Neuerdings sagt man eher Freiwilliges oder Bürgerschaftliches Engagement

Menschen, die freiwillig und ohne Bezahlung eine Arbeit verrichten, erhalten viel Anerkennung. 

Zum Beispiel erwähnt der Bundespräsident sie regelmäßig in seiner Weihnachtsansprache. 

Und oft werden Ehrenamtler und Ehreamtlerinnen mit Blumensträußen und Dankesreden geehrt. 

Im ökonomisierten Denkmuster wird ehrenamtliche Tätigkeit als Win-Win-Situation deklariert. Obwohl, oder weil, kein Geld im Spiel ist.

Aber wer gewinnt? Die Argumentation geht so: Die Alten gewinnen, weil sie eine Aufgabe haben und beschäftigt sind und Gutes tun können.

Was sie zufrieden macht und ihnen Anerkennung bringt, sie fit hält und ihnen das Gefühl gibt, dass sie gebraucht werden.

Und die Institutionen gewinnen auch. Sie können Angebote machen, die so nicht möglich wären, wenn sie dafür Löhne zahlen müssten. 

Und dann gewinnen diejenigen, bei denen die Arbeit der Freiwilligen tatsächlich ankommt. 

Eigentlich sind sie die wirklichen Gewinner ehrenamtlicher Tätigkeit, denn sie kommen in den direkten Genuss von Hilfe und Unterstützung.

Man könnte sagen, dass der eigentliche Wert ehrenamtlicher Tätigkeit darin liegt, dass sie unbezahlbar ist. 

Und dass kein Geld der Welt Arbeit bezahlen kann, die freiwillig getan wird, weil ihr Wert diese Freiwilligkeit ist. 

Für ökonomisiertes Denken ist dieser Gedanke fast nicht auszuhalten, denn Geld-Denken denkt, dass alles auf der Welt einen Preis hat.


Und es denkt auch, dass das, was nichts kostet, nichts wert ist.

Montag, 31. Dezember 2018

Silvester mit Eckhart Tolle und einem kleinen Klavierstück - zwischendurch -

Heute Nachmittag kam eine E-Mail von einem Freund mit einem kleinen Klavierstück angehängt. Und so höre ich den ganzen Abend immer mal wieder -zwischendurch - dieses kleine Klavierstück von etwas mehr als drei Minuten.
Außerdem höre ich, mit Pausen, einen Vortrag auf YouTube von Eckhart Tolle.
Wie immer bei Tolle geht es um den jetzigen Moment. Er sagt, dass Leben immer nur im Jetzt stattfindet und dass alles andere Vorstellung ist und Abschweifen in die Zukunft oder in die Vergangenheit. "Alles nur Gedanken."
"Man atmet, man sieht, man hört, man fühlt, ein Gedanke kommt, ein Gedanke geht, das ist der jetzige Moment," sagt Eckhart Tolle.
Er meint, viele Menschen würden ihr Leben in einem Wartezustand verbringen, weil sie nie da sind, wo sie wirklich sind, sondern immer woanders sein wollen, an einem anderen Ort oder zu einer anderen Zeit und eigentlich immer auf den richtigen Zeitpunkt oder auf den richtigen Ort warten.
Am frühen Abend habe ich im Fernsehen eine Show zu Ehren von Elton John gesehen mit vielen guten Songs und Melodien, die mich an früher erinnert haben. "Alles nur Gedanken."
Und was ist mit Silvester? Ein Abend, an dem alle nur darauf warten, um endlich auf das neue Jahr anzustoßen?
Draußen böllert es schon. Es ist jetzt 22.47 Uhr, am 31. Dezember 2018.