Donnerstag, 13. Dezember 2018

Ein 69Jähriger fühlt sich jünger als er ist und will, dass sein gefühltes Alter auch in seinem Pass steht.

Heute Morgen habe ich einen Artikel bei spiegel plus gelesen, in dem erzählt wird, dass sich ein 69Jähriger Niederländer viel jünger fühlt als er tatsächlich ist und dies zum Anlass genommen hat, eine Klage einzureichen, damit es ihm gesetzlich erlaubt ist, sein chronologisches Alter um 20 Jahre zu verringern.

Der Artikel beginnt mit:
Emile Ratelband, Motivationstrainer aus den Niederlanden, hätte gute Gründe, zufrieden zu sein mit sich und seinem Leben. Er ist erfolgreich in seinem Beruf, schon seit sehr langer Zeit, er hat keine finanziellen Sorgen, lebt in einem geräumigen Haus, und wenn er auftaucht in Amsterdam, Utrecht, Rotterdam, wird er oft erkannt, gegrüßt, was ihm besonders wichtig ist.

Ratelbands Anwalt hat die Klage im Frühjahr eingereicht, im November war die Verhandlung und jetzt kam das Urteil. Hier einige der Fragen, die die Richter in der Verhandlung gestellt haben:
Wie soll der Staat umgehen mit den ersten 20 Jahren seines Lebens, die Ratelband gestrichen haben will? Wo hat er gewohnt? Ist er zur Schule gegangen? Wie konnte er einen Schulabschluss erlangen? Wie war es möglich, dass er seinen Führerschein vor seiner Geburt machen konnte? Würden seine Eltern noch leben, was würden sie halten von seinem Wunsch, dass er die ersten 20 Jahre seines Lebens ungeschehen machen will? Welche Folgen hätte ein neues Geburtsdatum für seine Kinder? Müssten sich einige unter ihnen mit der Tatsache arrangieren, dass ihr Vater minderjährig war, ein Kind, als er sie zeugte? Müssten auch sie sich verjüngen, um das Gleichgewicht zwischen den Generationen wiederherzustellen?

Emile Ratelbands Klage wurde abgewiesen, er ist und bleibt 69 Jahre alt, egal wie alt er sich fühlt.

Sonntag, 2. Dezember 2018

Von der Lust am Lernen.

Irgendwie tauchen immer wieder Themen auf, die mich so interessieren, dass ich mich näher mit ihnen beschäftigen will. Jetzt ist mir ein Aspekt klar geworden, der bei mir eine große Rolle spielt, ob ich mich für ein neues Thema anfange zu interessieren oder nicht.
Also: ich bin mit etwas beschäftigt, sagen wir mal mit der Vorbereitung eines Essens für drei Personen. Ich habe ein befreundetes Paar eingeladen, wir sind also zu dritt - mehr geht im Moment auch nicht, weil ich im Winter drinnen nicht so viel Platz habe. Im Sommer, wenn draußen auf der Terrasse gegessen werden kann, kann ich mehr Leute einladen. Also: Essen für drei Personen und das alles mit nur einer einzigen Induktionsplatte, denn mehr habe ich derzeit nicht. Allerdings habe ich einen Thermomix und einen kleinen Ofengrill.
Diese Bedingungen konditionieren die Möglichkeiten, und so denke ich nach und blättere in Kochbüchern und überlege, was mir Freude machen würde und wie es gehen könnte und ob ich es hinkriegen kann. Dabei stoße ich in einem Kochbuch auf....  Schweinefilet im Tramezzinomantel... das Foto sieht super aus... ich weiß nicht, was Tramezzino ist, aber ich will es wissen und dann fange ich an, mich zu informieren: ich google also TRAMEZZINO.
Und dann beginnt ein Prozess... die erste Googleseite, die sich auftut, ist offensichtlich entscheidend dafür, ob ich am Thema dranbleibe oder nicht. Wie das genau abläuft, kann ich nicht sagen. Es ist eine innere Entscheidung, die auf der Wahrnehmung von Worten und Bildern beruht und auf etwas in mir, das Lust verspürt, weiter zu suchen, zu lernen, mich zu informieren. Ganz ohne Zielvorstellung, ohne Zweck, ohne Müssen. Es hat etwas Spielerisches und ist gesteuert von Freude am Lernen und Lust auf Neues.
So ist es mir mit den Tramezzini-Rezepten gegangen, und so geht es mir auch mit anderen Themen. Zum Beispiel mit Systemischer Organisationsentwicklung, um die ich mich derzeit intensiv kümmere. Mit viel Lust und Freude am Lernen.
"Intensiv kümmern" heißt: ich habe von der ersten Googleseite auf ein oder zwei oder drei Seiten weitergeklickt und mein Interesse ist jedes Mal gewachsen, so dass ich dann angefangen habe, nach Büchern zu suchen. Diese habe ich mir bei Amazon angeschaut. Erstens lese ich dann immer die Bewertungen anderer Käufer und dann klicke ich auf den "Blick ins Buch" und lese ein paar Seiten. Danach weiß ich, ob ich das Buch kaufen will oder nicht. Was die Systematische Organisationsentwicklung angeht, so habe ich in den letzten Tagen mehrmals auf "Kaufen" geklickt.

Montag, 5. November 2018

Eine Serie auf ARTE

Ich habe mir die Serie Ad Vitam in der ARTE Mediathek angeschaut. Alle sechs Episoden - verteilt auf zwei Tage. Und ich bin nicht sicher, ob ich sie empfehlen soll. Nicht weil die Serie schlecht ist, sondern weil manche Bilder ziemlich verstörend sind. Gut gemachte Fiktion eben.
Die Geschichte spielt in einer Zukunft, in der Menschen anfangen, sich ab 30 zu "regenerieren". Das heißt, dass sie sich in regelmäßigen Abständen für eine bestimmte Zeit in einen Behälter mit einer durchsichtigen Flüssigkeit legen. Über ein Mundstück, an dem Schläuche befestigt sind, können sie atmen. Dieses "Regenerieren" hat zur Folge, dass sie nicht altern. Das heißt unter anderem, dass sie sich als erstes fragen, wenn sie sich kennenlernen: wie alt bist du? Weil Alter nicht mehr sichtbar ist. Wer sich weigert, sich zu "regenerieren", wird gesellschaftlich ausgestoßen, was zur Folge hat, dass alte Gesichter und alte Körper die Ausnahme sind und diejenigen, die sich nicht "regenerieren" im Verborgenen leben müssen.
Es geht nicht um Unsterblichkeit, sondern darum, solange wie möglich den Alternsprozess aufzuhalten. Also genau das, woran im Silicon Valley seit Jahren intensiv gearbeitet wird: Symptome des Alterns immer weiter zu verschieben, so dass 70Jährige aussehen wie 30, und 100Jährige wie 40. Und nicht nur so aussehen, sondern auch dieselbe Energie haben.
In der Serie werden einige der logischen Folgen dieser Altersverschiebung gezeigt, und da wird klar, welch ein Eingriff es für die menschliche Daseinsform und für das Leben auf der Erde bedeutet, wenn die Spanne zwischen Geburt und Tod sich verdoppelt oder verdreifacht.



Strandsand


Sonntag, 4. November 2018

Was hat Altwerden mit Altsein zu tun?

Zwischen 60 und 70 wird man alt - naja, man fängt natürlich schon früher an, alt zu werden. Eigentlich gehts ja mit der Geburt los, dass man älter wird ... und älter und älter. Es sei denn man stirbt; die einzige Möglichkeit, nicht älter zu werden. Wenn man dann aber echt alt wird, also so mit 60, 65, dann kommt man nicht drumherum, an sich selbst Zeichen festzustellen, die eindeutig darauf hindeuten, dass das wirkliche ALTER auf einen zukommt.
Ich bin jetzt 72 und immer noch im Stadium des Altwerdens, also auf dem Weg hinein ins Alter. Manchmal frage ich mich, wann ich das Alter, das wir Alter nennen, eigentlich erreicht haben werde. Im Moment sage ich mir, dass ich mit 75 endgültig im Alter angekommen sein werde. Also in drei Jahren. Wenn ich dann aber Freundinnen sehe, die schon 75 sind oder älter, und wenn ich sehe, wie sie leben und welche Pläne sie haben, dann denke ich: Nee... das ist immer noch nicht das, was ich mit ALTER verbinde, das ist immer noch Altwerden, also draufzugehen aufs Alter.
Da ich vorhabe, diesen Blog bis zum Ende meiner Tage zu schreiben, werde ich hier natürlich darüber berichten, wie es sich bei mir entwickeln wird.
Übrigens: als ich mit dem Bloggen anfing war ich 60 und mir war damals sehr wichtig zu sagen, dass ich jetzt alt sei. Vor 12 Jahren hatte ich natürlich noch überhaupt keine Ahnung davon, wie prozesshaft Alter ist. Ich spürte, dass es spannend sein könnte, aber dass es so spannend ist, wie ich es leben darf, das überrascht mich immer wieder neu. Dass sich lebenslange Träume erfüllen, dass  neue gesellschaftliche Rollen auf mich warten und sich immer wieder Neues auftut, dem ich mich widmen kann, das hätte ich mir nie vorzustellen gewagt.

Dienstag, 23. Oktober 2018

"Döstädning"

Das ist Schwedisch und meint die Kunst, die Dinge des Lebens zu ordnen. So jedenfalls steht es in einer Besprechung des Buches  Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen, das im S. Fischer Verlag erschienen ist.
Ich habe mehrere Rezensionen über das Buch gelesen und bin noch unschlüssig, ob ich es kaufen soll, denn ich habe diesen "Prozess des Aufräumens und Ordnens" intensiv vor ein paar Jahren durchlebt, als ich von Spanien nach Deutschland zog und klar war, dass dies kein Umzug im üblichen Sinn sein wird, sondern ich lediglich mit dem Allerwichtigsten und Persönlichsten in Deutschland neu beginnen werde. Ich weiß also worum es geht und kenne die Gemengelage emotionaler und organisatorischer Herausforderungen.
Seither ist mir der Gedanke, irgendwann nicht mehr da zu sein und also auch nichts mehr ordnen zu können, gepaart mit dem unbedingten Wunsch, meinem Sohn so wenig Arbeit wie möglich zu hinterlassen, eine regelmäßig wiederkehrende Erinnerung, alles so zu ordnen, dass ich einfach verschwinden kann, und für ihn nur das Nötigste zu tun übrigbleibt.
Übrigens habe ich es genauso auch bei meiner Mutter erlebt, die alles ganz wunderbar aufgeräumt und geordnet hinterlassen hat. Wir Kinder waren ihr dafür sehr dankbar. Dieses Gefühl der Dankbarkeit hat auch beim Trauern geholfen; es war schön, dankbar und traurig zugleich sein zu dürfen.
Frau Magnusson sei zwischen 80 und 100 und habe ein unterhaltsames Buch geschrieben, so steht es in dem Artikel bei Spiegel plus, der mit einem Magnusson-Zitat getitelt ist: "Behalten Sie Ihren Lieblingsdildo, aber werfen Sie die anderen 15 weg."