Freitag, 21. September 2018

Im Alter sind wir mehr anders als früher, als wir jung waren.

In keiner Lebensphase sind die individuellen Unterschiede innerhalb derselben Generation so groß wie im Alter. So sagen es die Untersuchungen. Ich habe mich schon oft gefragt, woran das liegt.
Ich vermute, es hat nicht nur etwas damit zu tun, dass wir im Laufe unserer langen Leben Entscheidungen getroffen haben, die sich mit den Jahren immer konsequenter auswirken, sondern auch damit, dass wir im Alter, also nach dem Erwerbsleben, in unsere Privatleben verschwinden und uns als Generation  aus den Augen verlieren. Solange, bis wir uns in den Altenheimen wiedertreffen. 
Interessant ist, dass viele Alte auch deshalb nicht in ein Altenheim wollen, weil sie sagen: "Da sind ja nur alte Leute." Das heißt, wir haben die Tendenz, uns mit zunehmendem Alter von unserer eigenen Generation abzukoppeln und uns nach unten zu orientieren, also hin zu der nachkommenden Generation, und gemeinsam mit denen auf "die Alten" zu schauen. 

In letzter Zeit habe ich viel mit Freunden und Freundinnen zu tun, die mehr oder weniger so alt sind wie ich, und voll und ganz in ihren Privatleben aufgehen: Reisen, Kochen, Enkelkinder, Oper, Theater, Freunde, Essen, Trinken und wieder von vorn. Je nach finanziellen Möglichkeiten und gesundheitlichem Zustand. Manche machen auch hier und da etwas Ehrenamtliches. Aber sonst sind sie raus aus allen gesellschaftlichen Angelegenheiten. Außer dass sie eine Meinung haben, die sie jedoch nur noch im Privaten äußern, also dort, wo ihr Leben stattfindet.
Ich muss gestehen, dass es mich irritiert, wenn ich erlebe, wie sie ihre ganzen Kompetenzen, ihre ganze berufliche Erfahrung, ihr Wissen und Können, auch ihre gesellschaftlichen Rollenerfahrungen hinter sich lassen und nur noch privatisieren. Wo ist das alles hin, was sie drauf haben? Was ist mit ihrer Beziehung zur Welt? Ich bin auch irritiert, wenn ich sehe, wie zufrieden manche sind und wie glücklich mit dem, was sie tun beziehungsweise mit dem, was sie eben nicht mehr tun. 

Vielleicht ist meine Irritation auch nur darauf zurückzuführen, dass ich nicht den typischen Lebensweg gegangen bin: Arbeiten bis 65 und dann in den Ruhestand, sondern schon viel früher in den Ruhestand geschickt wurde und also noch jung war, als ich mit einer Lebenssituation konfrontiert war, die eigentlich erst fürs Alter vorgesehen ist.

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