Samstag, 22. Dezember 2018

Vom inneren und vom äußeren Erleben und vom Erzählen darüber.

Die meisten von uns erleben mit zunehmendem Alter immer weniger. Dabei verrinnt die Zeit immer schneller. Wie wenn sie sich dem Weniger-Erleben anpassen würde. Dabei ist natürlich die Frage spannend, was mit der Zeit passiert, in der nichts passiert.
Früher hat mir oft Zeit gefehlt, heute habe ich genug davon. Manchmal denke ich, ich könne und solle mehr machen... mehr unternehmen, mehr tun, mehr erleben. Aber wozu? Ich muss motiviert sein, um draußen aktiv zu werden. Einfach so, nur weil ich Zeit habe, das reicht meistens nicht, um mich aufzumachen. Ich bin gerne allein und wende mich nach innen. Dort findet nämlich immer etwas statt, dort passiert ständig eins nach dem anderen, und dort erlebe ich die Zeit als Raum, in dem sich Gedanken und Gefühle entwickeln können. Ununterbrochen. Diese Entwicklungen habe ich gern und ich kann mich an ihnen erfreuen. Denken ist einfach meine Lieblingsbeschäftigung.
Ich kenne Leute, die müssen alles, was sie erleben, auch erzählen. Manchmal scheint es, als wäre das Erzählen wichtiger als das wirkliche Erleben. Und wenn diejenigen, die so drauf sind, dann nichts mehr erleben, erzählen sie einfach das, was sie schon mal erzählt haben.
Ich habe in meinem Leben irgendwann aufgehört, das, was ich erlebe, automatisch auch zu erzählen. Ich langweile mich dabei. Ich möchte einfach keine Energie für etwas aufbringen, das vergangen ist. Nur wenn es notwendig ist und ich motiviert bin, weil es mir sinnvoll erscheint, erzähle ich von dem, was ich erlebt habe. Sonst rede ich lieber über das, was ich denke und was ich herausgefunden habe und was ich vermute und was ich glaube und was ich gelesen habe und woran ich zweifle, also über das, was in mir drinnen stattfindet, in meinen Gedanken und Gefühlen. Das finde ich interessant. Darüber zu reden bin ich übrigens jederzeit gerne bereit. Aber wer will das wissen? Wer interessiert sich dafür? Daher höre ich immer öfter anderen und ihren Geschichten zu ... was jemand getan hat ...  was ihr widerfahren ist ... wer was wann zu wem gesagt hat ... und so weiter und so weiter.

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